Predigt vom 28.3.2021: Laufen im Kampf, Hebräer 12,1-3

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

Liebe Gemeinde, wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, der weiß wie anstrengend ein solcher Lauf ist. Es ist ein Kampf, ein harter Kampf, ein Kampf bei dem zeitweise unter Umständen nicht immer klar ist, ob er gewonnen werden, sprich das Ziel erreicht werden kann. Deswegen bezeichnet man einen Marathonlauf ja auch als Wettkampf.

Beim Marathonwettkampf ist der Gegner aber bei vielen Sportlern, die Profis und Semi-Profis einmal ausgenommen, nicht der andere Laufteilnehmer. Beim Marathon kämpfen viele Menschen viel mehr mit sich selber. Der Gegner das ist der eigene Schweinehund, das sind die Schmerzen des Körpers und die Unlust, die Müdigkeit, die auftreten während des Laufes.

Denn nach anfänglicher Euphorie auf den ersten Kilometern des Laufes, folgt spätestens beim Halbmarathonpunkt die Phase der Ernüchterung. Man läuft so vor sich hin, sieht zu, dass man seine Kilometer runterbekommt. Was dann aber ab Kilometer 27 kommt kann man wahrlich als Kampf bezeichnen. Die Waden zwicken und brennen, manchmal kommt ein Krampf hinzu, die Oberschenkel wollen ihren Dienst aus Überanstrengung nicht mehr verrichten und knicken manchmal auch weg, die Seele ist erschöpft und matt und will nicht mehr weiterlaufen.

In dieser Phase des Laufes, auf diesem letzten Drittel des Marathons geht es dann nur noch darum sich, wie ich das gerne sage, zusammenzureißen. Zusammenzureißen, um den Kampf zu Ende zu bringen, um den Lauf vollenden zu können. Auch der Bibeltext der uns für heute gegeben ist redet von einem Kampf der uns Christen aufgetragen ist. Hören wir auf die Worte aus dem Brief an die Hebräer im 12. Kapitel. Ich lese aus der Neuen Genfer Übersetzung:

Wir sind also von einer großen Schar von Zeugen umgeben, deren Leben uns zeigt, dass es durch den Glauben möglich ist, den uns aufgetragenen Kampf zu bestehen. Deshalb wollen auch wir – wie Läufer bei einem Wettkampf – mit aller Ausdauer dem Ziel entgegenlaufen. Wir wollen alles ablegen, was uns beim Laufen hindert, uns von der Sünde trennen, die uns so leicht gefangen nimmt,

2 und unseren Blick auf Jesus richten, den Wegbereiter des Glaubens, der uns ans Ziel vorausgegangen ist. Weil Jesus wusste, welche Freude auf ihn wartete, nahm er den Tod am Kreuz auf sich, und auch die Schande, die damit verbunden war, konnte ihn nicht abschrecken. Deshalb sitzt er jetzt auf dem Thron im Himmel an Gottes rechter Seite.

3 Wenn ihr also in der Gefahr steht, müde zu werden, dann denkt an Jesus! Wie sehr wurde er von sündigen Menschen angefeindet, und wie geduldig hat er alles ertragen! Wenn ihr euch das vor Augen haltet, werdet ihr nicht den Mut verlieren.

 

Lasst uns um den Segen des Wortes Gottes bitten. Lieber Herr und Heiland Jesus Christus, wir danken dir für dein heiliges und ermutigendes Wort. Wir bitten dich: Gib uns ein Herz für dein Wort und dein Wort in unser Herz. Segne Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde, der Hebräerbriefschreiber sagt es uns ganz klar und deutlich. Unser Leben, das wir hier auf der Erde führen, das ist mitunter nicht nur ein lockerer Lauf auf sonnigen Höhen. Unser Leben ist vielmehr, jedenfalls manchmal, auch ein Kampf. Gott hat uns in diesen Kampf hineingestellt, wir sind beauftragt den Lebenskampf zu bestehen. Ich glaube, dass wir diesen Gedanken momentan sehr gut nachvollziehen können. Denn wir kämpfen ja momentan alle. Jeder auf seine Weise versucht so gut es geht mit der Pandemie und den Auswirkungen der Pandemie fertig zu werden. Es ist ein Kampf gegen die Müdigkeit im Lebenslauf, ein Kampf gegen den Verlust von Motivation, ein Kampf gegen die eigene Trägheit. Wir haben zu kämpfen, um den Kopf oben zu behalten. Was wir jetzt in unserer Situation nach Kilometer 27, also im hässlichen letzten Drittel des Marathons brauchen, ist nichts anderes als Ermutigung. Ich möchte versuchen uns mit der Hilfe Gottes und seiner heiligen Schrift diese Ermutigung zu geben. Die Frage, die uns hier leitet lautet: Was hilft bei unserem Lauf? Was ermutigt uns weiterzulaufen? Es ermutigen uns vier Gedanken.

Der erste Gedanke ist der Impuls, den Luther einfacher formulierte als die Neue Genfer Übersetzung. Er schreibt schlicht: Lasst uns laufen mit Geduld, allein über diese fünf Wörter allein könnte meine Predigt gehen, so gerne habe ich das Bild vom Leben als Lauf, als Wettkampf. Laufen, das ist nämlich nicht nur die sportliche Betätigung, in der Halle oder am besten in freier Natur, Laufen das ist in Bewegung sein und bleiben und das nicht nur mit dem im Körper, sondern auch im Geist. Deshalb meint der Impuls „Lasst uns laufen mit Geduld“ auch mehr. Jesus sagt damit: Bewegt euch weiter, macht weiter, lauft weiter im Glauben und im Leben. Momentan ist nicht die Zeit für schnelle Sprints und Trainings-Spielereien, momentan geht es schlicht darum den Lauf fortzuführen, dran zu bleiben am Glauben. Denn auch diese Wegstrecke, die wir gerade laufen, gehört zu unserem Lebenslauf dazu. Wir brauchen jetzt keine läuferischen Höchstleistungen zu bringen, aber wir dürfen nicht aufgeben, sondern sollen weiter auf der Strecke bleiben, die Wettkampfarena, die Laufstrecke nicht verlassen. Ein guter Läufer ist vor allen Dingen ein ausdauernder Läufer, einer der dran bleibt, auch wenn es hart kommt. Die harten Abschnitte sind die Abschnitte in denen man sich bewähren kann. Vorher auszusteigen aus dem Lauf kommt für einen Marathonläufer gar nicht in Frage. Lieber würde er sich auf allen Vieren ins Ziel schleppen, als vorher aufzugeben. Der Lauf ist erst dann vorbei, wenn wir das Ziel erreicht haben. Deshalb gilt für uns: Lasst uns jetzt weiterlaufen mit Geduld in Ausdauer.

Uns hilft bei unserem Lauf die Tatsache, dass wir Christen, wie es der Hebräerbriefschreiber ausdrückt von einer Wolke von Zeugen umgeben sind.

Die Wolke von Zeugen, das sind die Vorbilder im Glauben, Menschen, die in der Vergangenheit vertrauensvoll mit Gott gelebt haben, Glaubensvorfahren sozusagen. Abraham z.B. ist ein solcher Glaubensvorfahr für die ersten Leser des Hebräerbriefes, aber auch für uns. Denn Abraham war gehorsam dem Ruf Gottes seine Heimat zu verlassen zu folgen. Abraham war voller Vertrauen, dass Gott ihn einen guten Weg führen würde, dass Gott mit ihm sein würde, dass alles gut werden würde, auch wenn er das Land in das ihn der HERR führen würde gar nicht kannte. Rückhaltloses Vertrauen, dass der HERR ihn schon führen und leiten würde ist es, was wir lernen können von diesem Zeugen der Wolke. Es hängt nicht alles an mir. Ich brauch mich nicht sorgen und grämen, was wird und wie es wird. Gott wird es schon machen. Er wird alles gut machen, mich und uns einen guten Weg auch aus der Krise führen und in ein gutes Land bringen, so wie er Abraham in ein gutes Land gebracht hat. Ich mag diesen kindlichen Glauben von Abraham. Ja, das Vertrauen, dass Gott schon richten wird, was jetzt noch nicht recht ist, lässt mich ruhig und tiefbeglückt einschlafen.

Vielleicht haben Sie neben den biblischen Glaubenszeugen auch Glaubenszeugen in der Familie und in ihrem Bekanntenkreis. Die Mutter die treu ihre Hände faltet und für mich betet, den alten Mann in der Gemeinde, der von seinem Glauben freimütig erzählt. Der Blick auf solche Zeugen er gibt uns Kraft. Wir wissen: Wir stehen als Christen in einer Glaubenstradition, wir werden getragen von anderen Gläubigen im Gebet. Wir haben das Vorbild der biblischen Zeugen im Blick. Der Blick auf die Wolke der Zeugen er spornt uns an im Kampf nicht müde zu werden und weiter zu laufen.

Die Müdigkeit im eigenen Lebenslauf sie ist nicht ein Problem, das erst seit heute bekannt ist. Mit der Müdigkeit im Glauben hatten schon die ersten Empfänger des Hebräerbriefschreibers vor 2000 Jahren zu kämpfen. Gemeint ist weniger die körperliche Müdigkeit. Gemeint ist vielmehr die geistig-seelische Müdigkeit, die Unlust, die Trägheit im Leben und im Glauben. Wenn wir uns klar machen, dass wir eine Fülle von Glaubenszeugen in Vergangenheit und Gegenwart haben hilft uns das unsere Müdigkeit zu überwinden und weiter zu laufen bis zum Ziel.

Bei unserem Lauf ist ein weiterer Gedanke hilfreich. Es ist der Gedanke, dass wir ablegen sollen, was uns beschwert. Dieses Bild ist unmittelbar einleuchtend: Ein Marathonläufer läuft besser und schneller, wenn er alles Unnötige für den Lauf ablegt. Was habe ich bei meinen Wettkämpfen nicht schon für Klimbim bei manchem Läufer gesehen. Unnütze, ihn beschwerende Accessoires wie Laufgürtel oder zu warme Kleidung. Nein, damit läuft es sich nicht gut. Es läuft sich besser mit leichtem Gepäck, nur das Nötigste darf mit. Dafür ist ein Marathon zu anstrengend, dass man unnötigen Ballast mit sich herumträgt.

Jesus lädt uns ein auf unserem Lebenslauf alles das, was uns beschwert abzulegen. Wir dürfen unsere Mühsal und Last nehmen und sie ihm vor das Kreuz legen. Wir dürfen unsere Sorgen nehmen und sie auf ihn werfen. Denn er sorgt für uns. Wir dürfen ihm auch unsere Sünde bringen, wir müssen sie nicht weiter tragen, er hat vielmehr unsere und aller Welt Sünde getragen. Befreit von unserer Mühsal, unseren Sorgen und unserer Schuld dürfen wir unseren Lauf fortsetzen. Mit leichtem Gepäck läuft es gleich viel besser. Das weiß jeder der schon mal mit einem leichten Rucksack gewandert ist.

Es gibt noch eine weitere Ermutigung in unserem Bibelwort. Sie ist sozusagen die Krönung der vielen aufmunternden Impulse in diesem schönen Text. Es ist der Blick auf Jesus. Wir sollen unseren Blick auf Jesus richten. Denn er ist der Wegbereiter des Glaubens und ist uns schon ans Ziel vorangegangen.

Wenn wir auf ihn sehen, dann werden wir ermutigt. Dann erkennen wir: Jesus hat seinen eigenen Kampf erfolgreich beendet, Jesus wird auch mir und uns helfen in unserem je eigenen Leidens- und Lebenskampf. Wichtig für Jesus, wichtig für uns ist der Blick nach vorne, der Blick auf das, was nach dem Leiden kommt, die Perspektive sozusagen: Weil Jesus wusste, welche Freude auf ihn wartete, nahm er den Tod am Kreuz auf sich, und auch die Schande, die damit verbunden war, konnte ihn nicht abschrecken. Jesus konnte also seinen Leidensweg bis zum Ende gehen, weil er immer das Ziel für Augen hatte: Das Leben, das da kommt, das Leben in der Herrlichkeit.

Um noch einmal auf den Marathon zuzukommen: Es hilft sich in schwierigen Wegabschnitten klar zu machen: Es kommt nach der Anstrengung die Freude, die Zeit des Empfanges durch Freunde und Familie im Ziel, die Zeit des Genusses eines kalten Getränkes.

Nach Ermutigung für unser Leben im Kampf hatten wir gefragt. Ich fasse noch einmal zusammen, was Jesus uns heute gezeigt hat: Das Leben ist manchmal auch ein Kampf. In schweren Zeiten lasst uns einfach langsam weiterlaufen und in Bewegung bleiben, im festen Wissen: Wir sind von einer Wolken von Zeugen umgeben, Menschen die Gott rückhaltlos vertrauen und für uns beten Menschen. Beim Laufen ist es wichtig alles für den Lauf nicht notwendige uns beschwerende abzulegen und vor Jesus zu bringen: Unsere Last, unsere Sorgen, unsere Sünde. Und schließlich: Jesus ist uns im Leiden vorangegangen und siegreich daraus hervorgegangen. Der Blick auf ihn tröstet uns und spornt uns an weiterzulaufen bis zum Ziel.

Dazu segne uns Gott.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. (Phil 4,7).Amen.